Antrieb und Motor
Die Position der angetriebenen Räder beeinflusst Wendekreis, Outdoor-Stabilität und Steigfähigkeit. Drei Bauarten dominieren den Markt — jede mit eigenen Vor- und Nachteilen.
Heckantrieb (Rear Wheel Drive, RWD)
Die Antriebsräder sitzen hinten, vorne befinden sich kleine Lenkrollen. Der historische Klassiker — bei vielen Standardmodellen anzutreffen.
- Vorteile: spurstabil bei höheren Geschwindigkeiten, gutes Verhalten an Steigungen, kalkulierbares Fahrverhalten — ähnlich einem Auto.
- Nachteile: großer Wendekreis (oft 130–160 cm), in engen Innenräumen unhandlich.
- Typischer Einsatz: Außenbereich, längere Strecken, Modelle mit Straßenzulassung.
Mittelantrieb (Center Wheel Drive, CWD)
Die Antriebsräder sitzen in der Mitte des Rahmens, vorn und hinten gibt es Stützräder. Wendet auf der Stelle.
- Vorteile: sehr kleiner Wendekreis (oft 60–80 cm) — ideal für enge Wohnungen, Aufzüge, Restaurants. Beim Fahren auf der Stelle dreht sich der Rollstuhl um die eigene Achse.
- Nachteile: Bei hohen Geschwindigkeiten weniger spurstabil, kann bei plötzlichen Bremsmanövern „nicken". Stützräder müssen sauber abgestimmt sein.
- Typischer Einsatz: Indoor-orientierte Versorgung, oft bei Permobil F-Serie und ähnlichen Modellen.
Frontantrieb (Front Wheel Drive, FWD)
Die Antriebsräder sitzen vorne, Lenk- oder Stützräder hinten. Im Markt seltener vertreten, aber mit klaren Stärken im Gelände.
- Vorteile: Sehr gute Steigfähigkeit, da die Last beim Hochfahren auf den angetriebenen Vorderrädern liegt. Hindernisse werden „gezogen", nicht „geschoben". Gut für unebenes Gelände.
- Nachteile: Bei höheren Geschwindigkeiten kann ein „Hinten-Pendeln" auftreten. Engere Innenräume erfordern Gewöhnung an die Lenklogik.
- Typischer Einsatz: Outdoor- und Geländerollstühle, Modelle für unebenes Terrain.
Motorbauarten
Heutige Elektrorollstühle verwenden überwiegend zwei Motorbauarten:
- Bürstenbehaftete Gleichstrommotoren (DC-Motoren): einfacher Aufbau, robust, gut zu reparieren. Bürsten verschleißen alle paar Jahre und müssen getauscht werden. Bei Standardmodellen weit verbreitet.
- Bürstenlose Motoren (BLDC, EC-Motoren): elektronisch kommutiert, kein Bürstenverschleiß, höherer Wirkungsgrad (mehr Reichweite bei gleichem Akku), leiser. Häufiger bei neueren Premium-Modellen.
Drehmoment und Steigfähigkeit
Das Drehmoment der Motoren bestimmt, wie steile Rampen und Hindernisse überwunden werden können. Übliche Werte:
- Standard-Innenraum: Steigfähigkeit ca. 6–10°
- Außenbereich-Standard: 10–14°
- Geländerollstuhl: bis 20°
Steigungen werden in Prozent oder Grad angegeben. Die DIN-Norm für Rampen erlaubt im barrierefreien Bau 6 %, was etwa 3,4° entspricht. Praktisch reicht für die meisten Alltagsanforderungen ein Rollstuhl mit 10° Steigfähigkeit.
Anzahl der Motoren
Standard ist 2 Motoren — je ein Motor pro Antriebsrad. So entsteht die Drehbewegung durch unterschiedliche Drehrichtungen der Räder (Skid-Steering). Manche Spezialmodelle haben 4 Motoren für besseres Outdoor-Verhalten (z. B. Permobil F5 Corpus VS).