Transport im Auto
Ein Standard-Elektrorollstuhl wiegt 100–150 kg und passt nicht in den Kofferraum. Für den Transport gibt es vier prinzipielle Lösungen — vom Faltrollstuhl bis zur fahrzeugfesten Befestigung mit Sitzenbleiben.
Lösung 1: Faltrollstuhl im Kofferraum
Leichte Reiserollstühle (15–30 kg) lassen sich falten und in einen normalen Kofferraum legen. Praktisch nur für kompakte Modelle ohne große Antriebskraft. Bei größeren Standardmodellen scheidet diese Option aus.
Lösung 2: Auffahrrampe in Kombi oder Van
Ein Hochdachkombi oder Großraumvan (z. B. VW Caddy, Renault Kangoo, Ford Tourneo, Mercedes Vito) mit ausgebautem Heckabschnitt erlaubt den Rollstuhl-Transport per Auffahrrampe. Varianten:
- Festeingebaute Auffahrrampe — klappbar, im Boden versenkt oder seitlich gestaut.
- Mobile Rampe — wird bei Bedarf eingelegt, leichter, aber muss bei jeder Fahrt eingerichtet werden.
- Elektrische Auffahrhilfe — Seilzug oder Lift, der den Rollstuhl in den Innenraum hineinzieht.
Der Rollstuhl wird im Innenraum mit einem 4-Punkt-Gurt am Boden verankert.
Lösung 3: Hecklift
Ein hydraulischer oder elektrischer Lift am Heck des Fahrzeugs hebt den Rollstuhl vom Boden auf Ladekantenhöhe. Die Person verlässt vor dem Lift entweder den Rollstuhl (sitzt dann auf dem Beifahrersitz) oder kann mitfahren — abhängig von Lift-Typ und Fahrzeug.
Lösung 4: Fahrzeugfest mit Sitzenbleiben
Der Königsweg für Nutzer:innen, die nicht selbstständig in einen Sitz umsteigen können oder wollen. Das Fahrzeug wird so umgebaut, dass die Rollstuhlfahrer:in eine reguläre Fahrposition einnimmt:
- Bodenabsenkung oder Auffahrrampe.
- Rollstuhlbefestigung mit 4-Punkt-Gurtbefestigung am Fahrzeugboden — geprüft nach ISO 10542 (Wheelchair Tiedown and Occupant Restraint Systems).
- Personenrückhaltesystem — Beckengurt + Schultergurt, wie ein normaler Autosicherheitsgurt, aber unabhängig vom Rollstuhl am Fahrzeug befestigt.
- Bei Selbstfahrer:innen: Handbediengeräte für Gas und Bremse, ggf. Lenkradknauf.
Die Umbauten werden von spezialisierten Werkstätten durchgeführt. Kosten je nach Aufwand 5.000 – 30.000 €. Bei medizinischer Notwendigkeit teils über die Rentenversicherung (KfZ-Hilfe) oder über die Eingliederungshilfe finanzierbar.
Sicherung der Person
Auch wenn der Rollstuhl gesichert ist, muss die Person zusätzlich mit einem Sicherheitsgurt am Fahrzeug gesichert werden — der Rollstuhl-Gurt ist nicht für Crash-Kräfte ausgelegt. Standard ist ein 3-Punkt-Gurt, der unabhängig vom Rollstuhl am Fahrzeug befestigt ist und über Schulter und Becken der Person verläuft. Geprüft nach ISO 10542-2.
Was bei einer Reise zu beachten ist
- Akkutyp deklarieren (Bahn, Flug, Fähre — siehe Batterie).
- Reservesicherungen und Werkzeug für unterwegs mitnehmen.
- Bedienungsanleitung beilegen — gerade bei Fluggepäck.
- Den Rollstuhl fotografieren vor Abgabe, damit Transportschäden dokumentiert werden können.
Karosserie-Empfehlungen
Praxistauglich sind Fahrzeuge mit hoher Innenstehhöhe und einer flachen, breiten Heckklappe:
- VW Caddy Maxi — beliebt für Standard-Versorgung, gut umbaubar.
- Renault Kangoo — kompakter, etwas weniger Platz.
- Ford Tourneo Connect — variabler Innenraum.
- Mercedes Vito / V-Klasse — Premium-Variante mit großem Innenraum.
- Fiat Doblò / Citroën Berlingo — günstige Alternativen.